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Topgolf ohne Schnickschnack


Gothenburg, ein Ort mit gut 3000 Einwohnern, liegt am Highway 80, rund 470 Autokilometer östlich von Denver – etwas despektierlich könnte man auch sagen: in the middle of nowhere! Das 1885 gegründete, anfänglich vorwiegend von schwedischen und deutschen Familien von Eisenbahnarbeitern bewohnte Städtchen bietet kaum touristische Infrastruktur: zwei Kettenmotels und ein paar Fastfood-Restaurants.

Doch für Golfer ist Gothenburg eine Reise wert, laut «Golf Digest» ist der Wild Horse Golf Club ein «wahres Schnäppchen» unter den 100 besten Public-Golfplätzen in den USA. Mickrige 45.50 Dollar kostet werktags eine Runde inklusive Driving-Range-Bällen zum Einspielen und einem Wagen zum Stossen, am Wochenende 6 Dollar mehr. Zumindest für fast alle Amerikaner kommen noch 17 Dollar für einen Elektro-Cart dazu. Während vier zugegebenermassen sehr heissen Tagen war ausser mir niemand zu Fuss unterwegs. Trotzdem: Der Platz lässt sich tipptopp als «Fussgänger» spielen, es hat überall Abkürzungswege.

Eines vorweg: Der Wild Horse GC ist nichts für Snobs. Es hat zwar Duschen, aber eine richtige Garderobe sucht man vergeblich, und im Restaurant werden keine Delikatessen serviert. Als ich am späten Freitagnachmittag ankam, war gerade das Mädchentraining im Gang – die Girls trugen Turnhosen, Leggins, Trägerleibchen, bauchnabelfreie Oberteile und so weiter. Bluejeans und T-Shirts werden selbst auf dem Parcours toleriert. Wer ein edles Ambiente sucht, ist fehl am Platz, wer günstig auf einem Topplatz spielen will, hingegen goldrichtig.

Die Greens waren treu, hart und schnell, die besten, auf denen ich je gespielt habe. Und Klubmitglieder versicherten mir, für wichtige Turniere könne der Speed noch deutlich erhöht werden. «Für Profis ist das super, für uns weniger», sagte einer sarkastisch. Auch die Fairways und die Tee-Boxen waren in hervorragendem Zustand. Das Übungsgreen ist absolute Weltklasse. Der Head-Greenkeeper muss ein Genie sein. Der äusserst natürlich wirkende Parcours ähnelt einem Links-Course, allerdings spielt er sich eher länger, als es die Skorekarte glauben macht. Die Fairways erzeugen viel Reibung, was dem Roll abträglich ist. Aus diesem Grund lässt es sich auch nicht von weit ausserhalb des Greens putten.

Die von Weidelgras gesäumten Spielbahnen sind breit, die Bunker zuweilen tief, die Greens zum Teil relativ stark, aber nie übertrieben onduliert. Wer gut puttet, kann sein Handicap unterspielen, wer Fairways verfehlt, hingegen heftig bestraft werden – selbst, wenn er den Ball findet. Spielen in Gothenburg, Nebraska, macht Spass, und wie! Der Wild Horse GC bietet Topgolf ohne Schnickschnack und dazu viel Ruhe. Es hat keine viel befahrene Strasse in der Nähe, einzig hupende Güterzüge durchdringen ab und zu die Stille. Als Golffan könnte man in hier durchaus eine Woche verweilen, wenn es nur ein anständiges Restaurant hätte…

#Golf #Nebraska #USA #Middleofnowhere #Gothenburg

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